Heft 8 vom 14.04.1994 6/8 scan 2026-07-31

Bericht konstatiert „große Engpässe“

Schulraumversorgung


Schulraumversorgung

Bericht konstatiert „große Engpässe“

Konstanz. Der Konstanzer Sozialdezernent Hansen (CDU) hat im März dem Schul-, Sport- und Bäderausschuß einen Bericht der Stadtverwaltung vorgelegt, in dem die Schulsituation in den Jahren 1992 bis 1994 dargestellt und über die aktuelle Schulraumsituation referiert wird. Danach besuchen im laufenden Schuljahr 1993/94 insgesamt 6754 Schülerinnen und Schüler örtliche Bildungseinrichtungen, 171 mehr als im Vorjahr (ein Plus von 2,8%). Diese Zahl soll auch weiter steigen, zumindest bis zum Jahr 2000.

Dagegen hat sich die Zahl der Klassen nur um zwei auf 313 und damit die Klassenfrequenz deutlich erhöht; im Klartext: die Schulklassen sind größer geworden. Interessant auch, daß sich die Übergangsquoten auf weiterführende Schulen zugunsten von Haupt- und Realschulen verändert haben. So hat sich die Zahl der Hauptschüler von 639 (1992/93) auf 704 (1993/94) um 10,2% erhöht. Bildungsforscher prognostizieren, daß sich diese Tendenz landesweit bis mindestens zum Schuljahr fortsetzen wird. Auch die Zahl der Realschüler ist um 10% gestiegen (von 954 auf 1049). Dagegen sank die Zahl der Gymnasiasten (2183) geringfügig um 0,5 %.

Leicht gesunken ist auch der Anteil der ausländischen Schülerinnen und Schüler von 16,2% auf 15,7%. Die Diskriminierung von Menschen ohne deutschen Paß kommt deutlich auch in der Verteilung der ausländischen Schüler auf die Schularten zum Ausdruck: 38,4% der schulpflichtigen Ausländerinnen und Ausländer besuchen Hauptschulen, 18,2% Grundschulen. Auf Realschulen gehen hingegen nur 11,2%, aufs Gymnasium ganze 7,9%. Berechnet auf alle Schüler betragen diese Quoten: Hauptschule 24,3%, Realschule 29,5%, Gymnasium 46,1%.

Besorgniserregend entwickelt sich die Schulraumversorgung. Durch fehlende Finanzmittel gibt es laut Bericht „bei einigen Schulen große Engpässe“. Genannt werden insbesondere die Geschwister-Scholl-Schule, das Humboldt-Gymnasium, das Suso-Gymnasium sowie die Grund- und Hauptschulen Gebhard und Zoffingen ünd die Comeniusschule. Schon heute läßt sich außerdem absehen, so der Bericht, daß sich die Situation insbesondere im Bereich der Hauptschulen noch zuspitzen wird. Bereits heute müssen an den Grund- und Hauptschulen Zoffingen, Gebhard und Stephan Klassenverbände in Fachräumen oder mehrere Klassen zusammen in einem Klassenraum untergebracht oder Fachräume doppelt belegt werden. Fazit des Berichts zur Schulraumsituation: „Die Unterbringung größer werdender zusätzlicher Klassen in beengten räumlichen Verhältnissen wird in diesen Schulen wieder dazu führen, daß vermehrt Wanderklassen gebildet werden und Fachräume wieder verstärkt als Klassenräume eingesetzt oder doppelt genutzt werden müssen. Dieser Zustand ist aus pädagogischer Sicht und seitens des Schulträgers nicht wünschenswert und erinnert an die Situation der 60er und 70er Jahre.“ Wie wahr, wie wahr. Daß der Bericht allerdings die „steigenden Schülerzahlen“ als Grund für diese Lage benennt, stellt die wahren Verhältnisse auf den Kopf. Schuld sind nämlich fehlende Mittel vom Land, das den Kommunen, die für den Schulraum zuständig sind, rigoros Mittel zusammenstreicht. Außerdem: wer auf der anderen Seite die Leute immer wieder zum Kinderkriegen auffordert, auf der anderen Seite dann wachsende Schülerzahlen beklagt, wie das Hansen und seine Partei tun, setzt sich doch irgendwie dem dem Verdacht der Schizophrenie aus. — (jüg)

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