Eine unsinnige Auseinandersetzung
OPHT-Hexal — Dr. Winzer Pharma
Eine unsinnige Auseinandersetzung
Der Betriebsrat der zur Hexal-Gruppe gehörenden Firma Dr. Winzer Pharma hat vor dem Arbeitsgericht die Einsetzung einer Einigungsstelle über seine Auseinandersetzungen mit der Firma OPHT-Hexal erreicht. Der Betriebsrat ist der Auffassung, daß die geplante Schließung eine Änderung im Sinne des Betriebsverfassungsgesetzes ist und somit zwingend ein Interessenausgleich verhandelt werden muß. Die Geschäftsleitung sagt, der Beschluß, die Firma Dr. Winzer Pharma aufzulösen, sei vor der Wahl des Betriebsrates getroffen worden und dieser hätte somit kein Mitspracherecht.
Die Wahl eines Betriebsrates war durch die Geschäftsleitung ständig behindert worden, die Staatsanwaltschaft ermittelt deswegen gegen den ehemaligen Prokuristen Stengele. Die Firma Dr. Winzer Pharma ist der erste zur Hexal-Gruppe gehörende Betrieb, in dem die Wahl eines Betriebsrates durchgesetzt wurde. Mittlerweile steht fest, daß die ehemalige Besitzerin des Betriebes Geld für einen Interessenausgleich zur Verfügung gestellt hat. Dem Arbeitgeber geht es offensichtlich nur darum, das „Herr-im-Haus“-Prinzip durchzusetzen, stellt Torsten Falke von der Industriegewerkschaft Chemie-PapierKeramikfest.
Der Rechtsberater des DGB Kreis Konstanz, Peter Worlner sagt, die Geschäftsleitung würde ihre Argumentation immer dann ändern, wenn sie merkt, daß sie nicht mehr weiterkommt. Und Rechtsanwalt Matthias Scharlipp, der einige der Angestellten vor Gericht vertritt, stellt fest, daß der Hexal-Konzern hier einen Kampf austrägt, der, „vernünftig betrachtet, völlig überflüssig ist“. Er kann sich die Auseinandersetzungen nur so erklären, daß ein Machtkampf mit der Gewerkschaft ausgetragen werden soll. Heiner Stroh von der IG Chemie-Papier-Keramik fügt hinzu, die Geschäftsleitung betrachte wohl alleine die Tatsache, daß es den Betriebsrat gibt, als „Gotteslästerung“. Betriebsrat und Geschäftsleitung geht es immer noch in erster Linie darum, die Schließung zu verhindern und die Arbeitsplätze in Konstanz zu erhalten. Enttäuscht sind beide von den im Konstanzer Gemeinderat vertretenen Fraktionen . Der Betriebsrat hatte diese Anfang April angeschrieben und um Hilfe im Kampf um die Arbeitsplätze gebeten. Geantwortet hat nur die SPD, die auch an die Geschäftsleitung des HexalKonzerns geschrieben hat. Die anderen Fraktionen würden „wohl nicht viel wert auf Arbeitsplätze legen“, sagt Torsten Falke. Peinlich scheint Hexal das traurige Bild, das sie in der Auseinandersetzung um die Firma bietet, schon zu sein. Nach dem Kauf wurde die Dr. Winzer Pharma in OPHT-Hexal umbenannt. nachdem die Öffentlichkeit auf die unwürdigen Auseinandersetzungen aufmerksam wurde, hat der Konzern am 6. April 1994 im Handelsregister die Firma als „Dr. Robert Winzer“ eintragen lassen. — (db)