Heft 14 vom 07.07.1994 6/14 scan 2026-07-31

Heilbronner Anti-Ozon-Versuch



Heilbronner Anti-Ozon-Versuch

Ein Versuch dieser Art ignoriert, wenn er nicht in eine konsequente Politik einer Verkehrswende mündet, daß KFZ mit geregeltem Katalysator und erst recht die genannten Diesel-PKW ebenfalls Schadstoffe emittieren und daß bei PKW-Fahrten mit Entfernungen bis zu drei Kilometern - was die Mehrzahl aller PKW-Fahrten ist der Kat nahezu unwirksam ist.

Schließlich hat sich die Ozonbelastung ausgerechnet in den letzten 15 Jahren verdoppelt, also in dem Zeitraum, in welchem Katalysatoren eingeführt und Autos erstmals - und wahrheitswidrig - als schadstoffarm etikettiert wurden. Weiterhin unbekannt ist: 35 bis 40 Prozent der Kohlenwasserstoffe, einer Vorläufersubstanz des Ozon, stammen von abgestellten Autos. Auf das Jahr umgerechnet sind von den 1800 Tonnen Kohlenwasserstoff in der Heilbronner Luft rund 500 Tonnen aus parkenden Autos entwichen.

Schließlich ist bei dieser Debatte last völlig aus dem Blickfeld entschwunden, daß Audi selbst eine der größten Dreckschleudern der Region ist. Allein die in Neckarsulm fungierende veraltete AudiLackiererei setzt jährlich 780 Tonnen Lösemittel, überwiegend Kohlenwasserstoffe frei. Jede metallic lackierte Karosse belastet die Luft mit 61 Gramm Lösemittel - bei uniFarben sind es „nur“ 23 Gramm. Letztere machen jedoch nur 13 Prozent aller Lackierungen aus .. . Seit 1988 ist bei Audi-Neckarsulm eine neue Lackierei mit bedeutend weniger Schadstoffemission geplant. Ihr Bau wurde mehrfach hinausgeschoben. Sie wird frühestens 1995 in Betrieb sein. Solange wird bei Audi die mörderische Arbeitsorganisation weiter betrieben: Die Lungen der dort Beschäftigten werden, mehr als technisch erforderlich, zur Schadstoffentsorgung genutzt.

Richtig: Audi allein als Buhmann taugt nicht. Die Bundesregierung hat eine „Konzentrationswerteverordnung“ vorgelegt, die 1995 in Kraft treten soll. Das Wort Ozon taucht in dieser „Sommersmogverordnung“ erst gar nicht auf. Die Höchstwerte für die Ozon bildenden Schadstoffe liegen nach Auffassung von Umweltschutzorganisationen vier mal höher als vertretbar. — (IV. Wolf, leicht gekürzt)

Linksrhein ist ein Dienst von Christof Mainberger in Konstanz und erhebt keine personenbezogenen Daten.