Stuttgarter Sommerfest: Don’t worry, be happy...?
Stuttgarter Sommerfest: Don’t worry, be happy...?
Sommerfest in Stuttgart — weiße Zelte und Schlemmerstände, Musik, Cocktails, schicke Klamotten — und alle, alle sind zufrieden. Das lese ich in der Zeitung bei der Fahrt zur Arbeit: „Alle Beteiligten äußerten am Tag danach ihre große Zufriedenheit über den Verlauf des Sommerfestes“ — der Handel, die beteiligten Gastronomen, die Einkaufsbummler, die veranstaltende Markt-Gesellschaft. Eine Wiederholung im nächsten Jahr ist geplant.
Warum bloß macht mir dieses „Alle-zufrieden“ Unbehagen? Eine Kollegin sagt: „Ich geh’ doch nicht zu dem Luxusgetue.“ Die will also gar nicht. Unsere Reinigungsfrau geht auch nicht hin, klar: kein Geld. Alle-zufrieden umfaßt also nicht jeden und jede.
Aber sind mit „alle“ beim Sommerfest überhaupt alle gemeint? Vielleicht ist dieses Alle ja nur möglich, weil es welche gibt, die nicht dazugehören? Mir kommt das Sommerfest und diese Art Kultur eher vor wie ein riesiges Betriebsfest. Da zahlt auch die Geschäftsleitung. Und da gehören auch nur die von der Stammbelegschaft dazu und nicht die Leute von der Fremdfirma, schon gar nicht die Arbeitslosen und so. Und die, im Betrieb auch immer kritisieren, schließen sich sowieso selber aus.
Kultur ist gemeinschaftsstiftend, heißt es, Kultur schafft Sympathie. Die Konzerne, Banken und Kaufhäuser handeln danach. Kultur und Sport, selbst Alternativkultur finden ohne Sponsoring nicht mehr statt. Auch nicht das Stadtfest.
Aber wer zahlt, schafft an. Mit Sponsoring wird das falsche Gemeinschaftsgefühl der Betriebsgemeinschaft auf die Gesellschaft übertragen. Leistung bringen und Leistung als einzigen Maßstab für Charakter und Verhalten akzeptieren: das ist die Bedingung dafür, daß man dazugehört und anerkannt wird (und leistungsgerecht entlohnt wird und dementsprechend teilnehmen kann am Konsum und seinen Anteil an Lebensfreude und Kultur erhält). Wcr’s nicht bringt, bleibt draußen. So funktioniert ideologische Führung, das ist die geistigmoralische Wende. Kultur dient als Vehikel.
Also: Leistet Euch mal wieder ein Fest! —(Ulrike Küstler)