Stadtwerke Konstanz: Windige Argumente für Preiserhöhungen bei Bus und Fähre
Stadtwerke Konstanz: Windige Argumente für Preiserhöhungen bei Bus und Fähre
Konstanz. Die Stadtwerke Konstanz planen Preiserhöhungen bei Bus und Fähre zwischen 10 und 15 Prozent. Das teilte der Direktor der Stadtwerke, Werner Schott, Ende September mit, rechtzeitig vor den Haushaltsberatungen des Gemeinderates. Die letzte Bus- und Fährepreiserhöhung liegt gerade mal zwei Jahre zurück. Schott hatte schon im April dieses Jahres absichtsvoll von einem angeblichen Defizit gesprochen, das sich auf sieben Millionen Mark „zubewege“. Jetzt teilte er als Begründung für diesen erneuten Griff in die Taschen der Bürgerinnen und Bürger mit, Es habe Einbrüche vor allem bei Strom, Gas und Wasser gegeben. Aber auch die Beförderungszahlen bei der Fähre seien zurückgegangen. Der Stadtwerksdirektor: „Folgen der Rezession und der Umweltschutzbemühungen“. Wie schon bei den Müllgebühren vorexerziert, sollen die Leute also absurderweise buchstäblich teuer dafür bezahlen, daß sie in den vergangenen Jahren verstärkt Energie und Rohstoffe sparen. Von einem Defizit war im September übrigens nicht mehr die Rede. Im Gegenteil vermeldete der Südkurier, das veranschlagte Ergebnis 1994 könne erzielt werden, vor allem sei die Konzessionsabgabe nicht in Gefahr.
Gleichzeitig nutzte Schott die Gelegenheit, um eine Attacke gegen das Stadtwerks-Personal zu reiten: So behauptet er, „in den Boomjahren sei das Kostenbewußtsein nicht so ausgeprägt“ gewesen. In den letzten zwei Jahren seien die Personalkosten um 12 Prozent gestiegen. Deshalb müsse jetzt die „Personaldecke“ bei der Fähre überprüft, der angeblich „üppige“ Fuhrpark reduziert und „personelle Doppel- und Dreifachbesetzungen auf Baustellen“ unterbunden werden. An diesen Hetztiraden gegen die Beschäftigten der Werke ist zunächst interessant, daß Schott eingesteht, die Stadtwerke hätten Boomjahren hinter sich. Tatsache ist, daß auch in diesen Boomjahren in regelmäßigen Abständen die Preise für Strom, Gas, Wasser, Bus und Fähre erhöht wurden.
Erfreulicherweise hat sich nach den Angriffen Schotts auf die Beschäftigten die ÖTV zu Wort gemeldet. Die Konstanzer Kreisverwaltung der Gewerkschaft zweifelte in einer Stellungnahme die Aussagen Schotts an. Solange die Stadtwerke eine Konzessionsabgabe in Millionenhöhe an die Stadt abführen, könne es dem Betrieb nicht so schlecht gehen. Schotts Ausführungen zu den Personalkosten wurden als „vollkommen unverständlich“ bezeichnet. Die vom Stadtwerksdirektor behauptete zwölfprozentige Erhöhung der Personalkosten wird als nicht erklärlich bezeichnet. Tatsache sei, daß die Gehälter in diesem Zeitraum nur um fünf Prozent gestiegen seien, die Lohnfortzahlung im Krankheitsfell und das 13. Monatsgehalt sind gar reduziert worden. Auch mit neueingestellten Fahrern im Busbetrieb sei diese Zahl nicht zu begründen. Zwar habe es einige Neueinstellungen gegeben, die aber mit Einsparungen z.B. im Werkstattbereich kompensiert worden seien.
Auch von einer zu „dicken Personaldecke“ bei der Fähre könne nicht gesprochen werden. Laut ÖTV müssen die Beschäftigten heute schon Überstunden und Sonntagsschichten fahren, um die Arbeit zu schaffen. Urlaub muß größtenteils im Winter genommen werden, während der Saison sind Aushilfskräfte erforderlich. Zwar will sich die ÖTV mit ihrer Widerrede nicht grundsätzlich gegen Preiserhöhungen bei den Verkehrsbetrieben aussprechen. Unter dem Strich kann aber festgehalten werden: die Fakten sprechen gegen Schotts Behauptungen vom zu teuren Personal und in die Höhe schießendem Defizit.
Vor jeder Diskussion um Preiserhöhungen sollte sowieso über die Konzessionsabgabe geredet werden. Ihre Abschaffung brächte Millionen. — (jüg)