Heft 22 vom 27.10.1994 6/22 scan 2026-07-31

Nachgefragt per Telefon: Winfried Wolf für die PDS im Bundestag



Nachgefragt per Telefon: Winfried Wolf für die PDS im Bundestag

Was war Dein erster Eindruck in Bonn?

Alles war sehr begeistert über das zweitbestmögliche Ergebnis. Das bestmögliche Ergebnis wäre der Fraktionsstatus gewesen, denn damit sind beachtliche Auswirkungen finanzieller Art verbunden: z.B. doppelt soviel Geld pro Abgeordneten. So können wir, verglichen mit der alten Bundestagsgruppe, nur acht bis neun Mitarbeitende mehr für die Fraktion einstellen.

In den ersten Tagen war das Klima geprägt vom Fall Kerstin Kaiser. Allein deswegen kam zu der ersten öffentlichen Sitzung der PDS-Abgeordneten eine Hundertschaft voyeuristischer Medienvertreter. Der Start war deshalb etwas unglücklich.

Was hast Du Dir für Deine Arbeit im Bundestag vorgenommen?

Die Klausurtagung, wo die Arbeitsteilung entschieden wird, findet am kommenden Mittwoch und Donnerstag statt. Jede, jeder Abgeordnete von uns kann etwa in einem Ausschuß mitarbeiten. Der Bereich Verkehr ist ja bereits gut abgedeckt durch Dagmar Enkelmann, die schon im letzten Bundestag daran gearbeitet hat. Ich habe ja auch im Wahlkampf in Baden-Württemberg gesagt, daß ich nicht der Verkehrsfachidiot sein möchte. Insofern gibt es für mich drei große denkbare Bereiche: Verkehr und Umwelt — Wirtschaft, Finanzen, Haushalt, Arbeit, Soziales, Gewerkschaften, wo aber schon viele rein wollen — wirtschaftliche Zusammenarbeit und Internationalismus mit Themen wie Erste Welt/Dritte Welt, Exportwirtschaft, auch Rüstungsexporte, Weltmarkt, Kurdistan. .. Meine Option ist der letzte Bereich, zumal ich meine linke Identität bewahren will.

Wie willst Du Verbindung halten nach Baden-Württemberg zu Deinen Wählerinnen und Wählern und zur PDS?

Wie vereinbart, werde ich in BadenWürttemberg ein Büro einrichten, das mit einer Kraft besetzt wird, die mir „baden-württemberg-mäßig“ zuarbeiten soll und mit der PDS vor Ort kann. Anfang 1995 wird meine Wahlkampfbroschüre in doppeltem Umfang als Buch erscheinen mit einer Analyse der Monostruktur BadenWürttembergs und einer Kritik daran, mit den damit zusammenhängenden sozialen Fragen, der Ausbildungsthematik etc. und einer Alternative, wie anders eine Wirtschaft organisiert werden kann, in der der Mensch und nicht der Profit im Mittelpunkt steht. Das soll eine politische Plattform für die nächsten vier Jahre sein. Außerdem werde ich meine Veranstaltungstermine in Baden-Württemberg konzentrieren und in bestimmten Abständen im Büro Sprechstunde halten.

Dr. Winfried Wolf (Mitglied der VSP — Vereinigten Sozialistischen Partei) wurde als Spitzenkandidat auf der offenen Liste der PDS Baden-Württemberg in den 13. Deutschen Bundestag gewählt. Mit ihm telefonierte am 24.10. unser Redaktionsmitglied Ulrike Küstler.

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