PDS kommt voran
PDS kommt voran
Hier soll keine Gesamteinschätzung zur Wahl getroffen werden, denn dann müßte man vor allem über das reden, was die politische Situation der nächsten Jahre leider entscheidend weiterprägen wird: Die Regierung Kohl/Kinkel mit bleibt dran und kann ihre reaktionäre Politikfortführen.
Was die PDS anbelangt, ist inzwischen zu sehen, daß es für eine sozialistische Reform- und Oppositionspartei nicht nur im Osten einen Bedarf gibt. Gegenüber dem Ergebnis von 1990 hat sich die PDS in den westlichen Bundesländern im großen und ganzen verdreifachen können, aber auch noch gegenüber den erst im Juni gewesenen Europawahlen sind die Stimmgewinne ganz beachtlich. Erfreulich ist, daß das Wachstum der PDS als sozialistischer Oppositionspartei im Westen nicht von einer Schmälerung bei den anderen Parteien der Opposition begleitet war. Man könnte sagen: Konkurrenz hat das Geschäft ausgeweitet und belebt; die PDS hat den Grünen bei ihrem Wiedereinzug nicht geschadet; die PDS hat nicht verhindert, daß die SPD zugelegt hat. Die PDS findet vielmehr ihre eigenen Wähler.
Niemand wird so vermessen sein, zu sagen, die PDS hätte ihr gutes Abschneiden in Baden-Württemberg in erster Linie ihrem personellen Angebot auf der Landesliste oder dem Aufstellen örtlicher Kandidaten zu verdanken.
Dennoch zeigt sich, daß dort, wo die PDS präsent ist, das Einfluß aufs Enjeb nis hat. Der Unterschied zwischen den alten „Hochburgen“ der Linken im Lande und anderen Orten, wo die PDS tätig ist, ist geringer geworden.
Es liegen noch keine Angaben vor, wie in Baden-Württemberg die Wahlentscheidung in Abhängigkeit vom Alter getroffen worden ist, aber die bundesweiten Ergebnisse, die bisher vorgestellt wurden, gelten wahrscheinlich auch: Die PDS ist von überraschend viel jungen Leuten gewählt worden.
Die PDS hat jetzt die Chance, in Verbindung mit ihren Wählern zu bleiben, diese Verbindung zu festigen und vielleicht den einen oder anderen von diesen Wählern auch für eine Mitarbeit in der Partei zu gewinnen. — (alk)