Ignoranter „Südkurier“Redakteur
Peinlich
Ignoranter „Südkurier“Redakteur
Für besonders originell und witzig hat sich Erich Gropper, langgedienter „Südkurier“-Lokalredakteur, selbst schon immer gehalten. Leider merkt man das auch seinen Artikeln an, die oft durch wenig Sachkenntnis getrübt sind. Sei’s drum, könnte man diesen Fall abhaken, schließlich ist der Mann nicht der einzige Lokalschreiberling, der sich selbst überschätzt. Doch was Gropper sich am 20.10. auf Seite eins des Konstanzer Lokalteils, unten rechts, geleistet hat, kann nicht unkommentiert bleiben.
Hintergrund ist der auf Antrag der FGL gefaßte Beschluß des Gemeinderats, eine „Bürgerfragestunde“ einzurichten. Offenbar hat das Hauptamt der Stadtverwaltung mitgedacht, als dieser Beschluß auf den Schreibtisch kam. Denn dort fiel auf, daß Bürger und Bürgerinnen „Deutsche im Sinne von Artikel 116 des Grundgesetzes (sind), die das 18. Lebensjahr vollendet haben und seit mindestens 3 Monaten in der Gemeinde wohnen.“ Deshalb schlägt das Hauptamt vor, statt der „Bürgerfragestunde“ ein „Fragerecht für Einwohnerinnen und Einwohner“ einzurichten. Einwohner ist nämlich, „wer in der Gemeinde wohnt“. Freund Gropper hat das mitgekriegt und witterte offenbar die Chance, wieder einmal eine Probe seines unvergleichlichen Humors in Form eines glossierenden Berichts zum besten zu geben. „Wenn schon, denn schon: Nicht Bürger, sondern Einwohner fragen“, übertitelt er das Opus, das mit der Sentenz endet: „Wiehert hier der Amtsschimmel. Kaum. Wahrscheinlich zeigt’s die Verwaltung dem einen oder anderen Griffelspitzer im Gemeinderat mal ganz einfach ...“
Nun ist die fehlende Originalität der Gropperschen Prosa in diesem Fall noch das geringste Problem. Denn leider ist unserem Spaßvogel vollständig entgangen, daß es hier um weit mehr geht als um Reibereien zwischen Verwaltung und Gemeinderat: Die völkische Definition der Bürgereigenschaften behielte das Fragerecht nämlich nur Deutschen vor, nach dem Vorschlag des Hauptamtes dürfen auch Ausländer Fragen an den Gemeinderat richten. Insofern ist der Vorstoß des Hauptamtes verschärft zu begrüßen; beschämend genug, daß Oberbürgermeister und Gemeinderat nicht selbst darauf gekommen sind. Daß allerdings ein ignoranter Lokalredakteur ein solches Thema zum Possenreißen mißbrauchen darf, ist schon ein starkes Stück. Unser Ratschlag an die Redaktion: setzt den Mann auf die Konstanzer Kleintierzüchterszene an — da findet er Themen zuhauf, die seinen Fähigkeiten würdig sind. — (jüg)