Heft 23 vom 10.11.1994 6/23 scan 2026-07-31

Kurdisches Filmfest im Zebra-Kino

Interkulturelle Woche


Noch zwei Filme zeigt das Konstanzer Zebra-Kino bis Jahresende im Rahmen einer kleinen Reihe mit preisgekrönten Filmen kurdischer Regisseure. Die Kinomacher wollten damit einen Beitrag zur „Interkulturellen Woche" leisten, die vom 25. September bis zum 2. Oktober in Konstanz stattfand. Sie weisen darauf hin, daß zu den gezeigten Filmen niemand Zugang finden wird, der nicht um das Anliegen und die Situation der Kurden In der Türkei und Deutschland weiß. „Auch in Konstanz müssen einige kurdische Familien In der konkreten Angst leben von deutschen Behörden ausgewiesen zu werden. Deshalb gibt es nach jeder Filmvorführung die Möglichkeit zum Gespräch mit Mitglieder des als Mitveranstalter auftretenden Deut“h;k^'schB" Menschenrechtskomitees bzw. mit einem Regisseur. Wir selten die beiden Filme vor, die im November und Dezember gezeigt werden (red)

Interkulturelle Woche

Kurdisches Filmfest im Zebra-Kino

Mem ü zin. Ein kurdisches Märchen

Kurdistan 1992, Regie: Ümit Elci, Kurdisch mit d. U.

Offiziell mußte dieser Film in türkischer Sprache gedreht werden und wurde erst später mit kurdischen Laien synchronisiert. Mem ü zin basiert auf einer Legende, die vor Christi Geburt entstanden ist. Im Jahre 1695 schrieb der große kurdische Dichter Ehmede Xani die Geschichte erstmals in Gedichtform und in kurdischer Sprache nieder. Jedes kurdische Kind wächst mit dieser Geschichte auf. Mem und Zin verkörpern das kurdische Volk und sein Land Kurdistan, die nicht zueinander kommen, deren Liebe aber nicht zu zerstören ist. Die Originalmusik zu Mem ü zin wurde vom kurdischen Komponisten Mazlum Cimen geschaffen. Neben den eindringlichen Melodien der Hirten- und der Rohrflöte sind auch kurdische Volkslieder zu hören, die von Firat Baskale und Nilüfer gesungen werden.

Diyarbakir — Ich schäme mich, ein Jurist zu sein

BRD 1994, Regie: Karaman Yavuz; 89 Min.; türkisch mit d. U.

In dieser Dokumentation über die kurdischen Rechtsanwälte Serafettin Kaya und Rusen Arslan spiegeln sich die Erfahrungen von Kurdinnen mit der Macht des türkischen Justizapparates wider. Nach dem Putsch des türkischen Militärs 1971 verteidigten die beiden in Diyarbakir oppositionelle Kurden. In ihren Plädoyers brachen sie mit einem Tabu, indem sie auf der kurdischen Sprache, Kultur und Identität ihrer Mandanten bestanden. Daraufhin wurden sie vorübergehend als „Separatisten“ verhaftet. Zu Beginn der achtziger Jahre konnten beide in die Bundesrepublik fliehen, wo sie seitdem leben. Während die beiden in ruhigen, sachlichen Worten von Willkür und Folter berichten, machen Bilder vom NewrozFest 1993 deutlich, daß die von ihnen beschriebenen Ereignisse in der heutigen Realität ihre traurige Fortsetzung haben.

Im Anschluß an den Film besteht die Möglichkeit der Diskussion mit dem Regisseur Karaman Yavuz.

Linksrhein ist ein Dienst von Christof Mainberger in Konstanz und erhebt keine personenbezogenen Daten.