Heft 23 vom 10.11.1994 6/23 scan 2026-07-31

197 Neonazis bei Razzia festgesetzt

Innenministerium


Innenministerium

197 Neonazis bei Razzia festgesetzt

Am Sonntag, 6. November, hat die Polizei unter Federführung des Landeskriminalamts auf Weisung des Innenministeriums ein Treffen einer sogenannten „Stuttgarter Kameradschaft“ unterbunden. Die versammelten Neonazis wurden handgreiflich, 197 wurden vorläufig festgenommen. Aus den eher dunklen Andeutungen der LKA-Abteilung Staatsschutz geht hervor, daß mit der Aktion die Gründung einer größeren überregionalen Neonazi-Organisation unterbunden wurde. Unter den Festgenommenen befinden sich: Friedhelm Busse, Vorsitzender der FAP (bei ihm wurden mehrere Exemplare von Hitlers „Mein Kampf“ sichergestellt); Alois Hogh aus dem Tübinger Raum, der ebenfalls in der FAP aktiv ist; Axel Heinzmann aus Tübingen, der bereits in den 70er Jahren als Aktivist der Wehrsportgruppe Hoffmann an der PH Reutlingen aufgefallen war. Während Heinzmann wegen Widerstands und schweren Landfriedensbruch — er hatte die Versammlung gegen die Polizei gehetzt — noch in Untersuchungshaft einsitzt, sind die anderen Drahtzieher wieder auf freiem Fuß. Die genauen Anklagepunkte sind nicht genannt; es ist zu befürchten, daß die spektakuläre Aktion des Innenministeriums hernach vor den Gerichten im Sand verläuft. Sowohl Busse als auch Hogh sind einschlägig bekannt: Als Angeklagte in dem ANSProzeß (Aktionsfront Nationaler Sozialisten), brachten sie durch eine Verschleppungstaktik einem halben Jahr die Verhandlung zum Platzen. — (alk)

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