Heft 24 vom 24.11.1994 6/24 scan 2026-07-31

Studierende gegen Mieterhöhungen



Studierende gegen Mieterhöhungen

Auf massive Proteste seitens der Studierenden treffen die Pläne des Konstanzer Studentenwerks, die Mieten in den Studentenwohnheimen um bis zu 26% zu erhöhen. Am vergangenen Dienstag boykottierten deshalb Studierende die vom Studentenwerk betriebene Cafeteria, um ihrer Ablehnung der Mieterhöhungspolitik des Studentenwerks Ausdruck zu verleihen. Der Boykott wurde laut AStA von „einer überragenden Mehrheit der Studierenden unterstützt und die Cafeteria glänzte durch gähnende Leere“.

„Der Preis für ein Zimmer im Wohnheim würde nach den Mieterhöhungen in Konstanz im Schnitt bei über 290 DM liegen. Der Durchschnittspreis für ein Wohnheimzimmer in Westdeutschland liegt jedoch bei 253 DM. Damit würde Konstanz zum Negativbeispiel für die ganze Republik. Studierende aus Familien mit geringem Einkommen wird mit den Mieterhöhungen zunehmend die Chance genommen, überhaupt noch studieren zu können“, sagte die AStA-Vertreterin im Verwaltungsrat des Konstanzer Studentenwerkes, Sabine Manzel. Studierende, die nach BaföG gefördert werden, erhielten einen Wohnzuschuß von lediglich 225 DM, eine Summe, die noch nicht einmal ausreicht, um die Miete in öffentlich geförderten Wohnheimen zu bezahlen.

Laut AStA-Vertreterin Manzel ist das Land Baden-Württemberg an den Mieterhöhungen erheblich beteiligt, da die Mieten, die das Studentenwerk an die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) zahlen muß, von 1,37 auf 4,90 DM pro Quadratmeter ansteigen. Eine derartige Mieterhöhung widerspreche den eigenen Richtlinien des Landes, da das Ministerium für Wissenschaft und Kunst in einem Erlaß festgelegt hat, daß Mieterhöhungen von jährlich mehr als 10% „nicht mehr als sozial verträglich anzusehen sind“.

Die Studierenden fordern deshalb das von Klaus v. Trotha geführte Wissenschaftsministerium auf, derartige Mieterhöhungen zu verhindern. Entweder müsse das Land durch eigene Mittel die Erhöhungen abfedern oder aber dem Studentenwerk Konstanz zumindest ermöglichen, Mittel aus Rücklagen zur sozialen Staffelung zu verwenden. „Es kann nicht angehen, daß einerseits der Druck auf die Studierenden, schnell und effizient zu studieren, dauernd erhöht wird und andererseits durch untragbare Mieten vielen Leuten ein schnelles Studium unmöglich gemacht wird, da sie gezwungen werden, zur Deckung ihrer Lebenshaltungskosten zu arbeiten. Ein Minister, der Studiengebühren und Zwangsexmatrikulationen fordert und gleichzeitig die Rahmenbedingungen für ein sinnvolles Studium verschlechtert, ist vollkommen widersprüchlich und unglaubwürdig“, so Sabine Manzel. Die Proteste der Studierenden haben Wirkung gezeigt: Auf der Verwaltungsratsitzung am 17. November wurde das Thema zumindest zurückgestellt. Wie es jetzt weitergeht ist offen. Der AStA fordert, daß das Land sich bewegt und seinen Beitrag leistet. — (red)

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