Heft 1-2 vom 19.01.1995 7/01 scan 2026-08-01

Herose: Firmenleitung kündigt Massenentlassungen an



Herose: Firmenleitung kündigt Massenentlassungen an

Innerhalb der nächsten acht Monate will das Konstanzer Textilunternehmen Herose 100 Beschäftigte entlassen, das ist rund ein Drittel der Belegschaft. Auf einer Pressekonferenz Anfang Januar erklärte der Geschäftsführer des Tochterunternehmens der Lörracher Textilfirma KBC, von dem Personalabbau seien Mitarbeiter aller Bereiche und Altersschichten betroffen. Als Grund für diese brutale Maßnahme gegen die Belegschaft nannte Rixen „Massive Umsatzeinbrüche“ des Unternehmens, das im sogenannten Textilveredelungsbereich bedruckte Viskosestoffe für Blusen, Röcke, Kleider und Leggings herstellt, vor allem durch Billigimporte.

Außerdem, so der Geschäftsführer, „leiden“ deutsche Unternehmen unter den im europäischen Vergleich hohen Umweltkosten (Rixen: „Ich bin nicht dagegen, daß unsere Auflagen so hoch sind, aber die anderen europäischen Partner sollten mitmachen.“). Drittens hätten die Werteinbußen der italienischen Lira der italienischen Konkurrenz erlaubt, ihre Waren erheblich billiger auf den Markt zu bringen.

Das alles zusammen habe dazu geführt, daß das Unternehmen gegenüber anvisierten 145 Millionen 1994 nur rund 100 Mio. DM erwirtschaftet habe, beklagte Rixen. Ob Herose damit allerdings Verluste eingefahren hat, darüber fiel kein Wort. Dieses schamhafte Schweigen legt den Verdacht nahe, daß die Lörracher Herose-Mutter KBC die Gelegenheit beim Schopf gepackt hat, um das Konstanzer Werk strukturell umzukrempeln, der Profitsteigerung wegen: So wurde auf der Pressekonferenz auch bekanntgegeben, daß man sich künftig auf Stoffe konzentrieren wolle, die sich durch „überragende Kreativität und besonderes Fertigungs-Know-how von den Konkurrenten“ unterscheiden.

Die Zeche dafür sollen wieder einmal die Beschäftigten zahlen: während die Entlassenen gute Aussichten haben, den kollektiven Freizeitpark vom Standpunkt des Dauerarbeitslosen zu genießen — die früher einmal florierende Textilindustrie der Region ist fest komplett verschwunden, auch in anderen industriellen Branchen sieht es schlecht aus —, dürfen sich die in Arbeit gebliebenen auf steigendes Arbeitstempo rund um die Uhr bei sinkenden Löhnen freuen. ..Herose soll schlanker werden“ hat die Firmenleitung die Maßnahme überschrieben — damit die Eigentümer fetter werden, fügen wir hinzu. Quellenhinweis: Südkurier— (jüg)

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