Heft 3 vom 02.02.1995 7/03 scan 2026-08-01

Abrißpläne der Stadtverwaltung in der Spanierstraße vorerst gescheitert

Wohnraumvernichtung


Wohnraumvernichtung

Abrißpläne der Stadtverwaltung in der Spanierstraße vorerst gescheitert

Konstanz. Oberbürgermeister Horst Eickmeyer (FWG) kann die Finger nicht davon lassen: wieder einmal hat er im Gemeinderat einen Anlauf unternommen, um eines seiner Lieblingsprojekte auf den Weg zu bringen. Die Rede ist von einer Konzerthalle, die der OB in Petershausen, genauer gesagt an der Spanierstraße, errichten lassen will.

Diesen langgehegten Plänen, mit denen sich die Stadt in ein weiteres millionenteures finanzielles Abenteuer stürzen würde, stehen aber nicht nur die leere städtische Kassen im Weg, sondern auch die Wohnhäuser Spanierstraße 18 bis 20, die immerhin 13 Mietparteien Unterkunft bieten.

Der Oberbürgermeister versuchte seinen neuen Vorstoß zwar mit dem Argument zu begründen, er wolle ein multifunktionales „Bürgerhaus“ für die Konstanzer Bevölkerung. Tatsächlich geht es aber um die Erfüllung von Forderungen der Konstanzer Wirtschaftslobby, die seit Jahr und Tag die mangelnde „Attraktivität“ der selbsternannten Bodenseemetropole bejammert. Eine Konzerthalle stellt für sie einen ersten Schritt dar, um die Umsätze vor allem im Tourismusgeschäft in die Höhe zu treiben, wäre sie doch das Sahnehäubchen für das mit Millionen luxussanierte Klosterkasernenareal.

Offensichtlich kümmert es angesichts solcher Aussichten wenig, daß die Millionen, die hier verbraten werden müßten, angesichts von wachsender Armut und drückender Wohnungsnot an anderer Stelle mehr als dringend gebraucht werden. Ihren ehrgeizigen Plänen will die Stadtverwaltung, ohne mit der Wimper zu zucken, intakten, preisgünstigen Wohnraum für 28 Erwachsene und 17 Kinder opfern. Daß an der Spanierstraße arme Leute wohnen, denen die Beschaffung von Ersatzwohnraum sehr schwer fallen dürfte, kommt erschwerend hinzu. Zwar versuchte die Stadtverwaltung ihre Pläne dem Gemeinderat mit dem Vorschlag schmackhaft zu machen, sechs der 13 Mietparteien sollten über die Wobak in andere Wohnungen vermittelt werden. Die anderen sieben Parteien hätten eh nur befristete Mietverträge. Ob angesichts von Tausenden, die auf der Wobak-Warteliste stehen, ein solcher Deal gelingen würde — vor allem ohne Mietsteigerungen —, ist fraglich. Sowieso hätte eine solche Maßnahme nur zur Folge, daß andere Wohnungssuchende in die Röhre schauen müßten. Und daß die Stadt die restlichen sieben Mietparteien einfach auf die Straße setzen will, paßt ganz ins asoziale Bild, das Eickmeyer & Co in dieser Sache abgeben.

Erfreulich deshalb, daß der Eickmeyer-Vorstoß erst einmal ins Leere gelaufen ist. SPD, FGL und Teile der CDU brachten ihn am 26. Januar im Gemeinderat zu Fall. Vor allem die Sozialdemokraten argumentierten scharf gegen den Konzerthallen-Antrag. Fraktionsvorsitzender Leipold sprach von einem Handstreich, mit dem die Verwaltung hier Fakten schaffen wolle. Die Angelegenheit sei in keinem Ausschuß diskutiert worden. Noch vor wenigen Monaten habe die Verwaltung Pläne unterstützt, ein Bürgerhaus im ehemaligen „Südkurier“-Gebäude an der Marktstätte unterzubringen. Auch das Argument Eickmeyers, die notwendige Sanierung der Häuser käme zu teuer, will die SPD nicht gelten lassen. Sie hält ebenso wie die Freien Grünen eine finanziell erschwingliche Minimalsanierung für ausreichend, um Bausubstanz und Wohnqualität zu sichern. Sowieso gebe es gegenwärtig wichtigere Ziele städtischer Investitionstätigkeit, so die SPD-Fraktion: den Bau von Kindergärten, Wohnungen und des Kulturzentrums Altstadt.

Quellenhinweis: „Südkurier“ v. 25.1.95 — (jüg)

Linksrhein ist ein Dienst von Christof Mainberger in Konstanz und erhebt keine personenbezogenen Daten.