Eliteunis und Studiengebühren — AStA lehnt ihn entschieden ab
Universität: Rektorkandidat Markl
Eliteunis und Studiengebühren — AStA lehnt ihn entschieden ab
Die Amtszeit von Uni-Rektor Bernd Rüthers läuft In diesem Jahr aus. Einziger Bewerber um die Nachfolge des Konservativen Rüthers ist der ebenfalls rechts angesiedelte Konstanzer Biologieprofessor Hubert Markl. Der Professor verfügt über einigen Einfluß, war er doch von 1985 bis 1991 nicht nur Vorsitzender der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Kein Wunder, daß er ein eifriger Verfechter des Elitegedankens ist, gegen studentische Mitbestimmung auftritt, dafür Studiengebühren will und für eine „Verknappung“ von Studienplätzen eintritt. In einer Stellungnahme beleuchtet der AStA Markls Werdegang und hinterfragt seine universitäts- und gesellschaftspolitischen Positionen. — (red)
Hubert Markl wurde 1938 in Regensburg geboren. Studium an der Universität München in Biologie, Chemie und Geographie. Zu seinen Lehrern gehörte u.a. der Verhaltensforscher Konrad Lorenz. Professor an der TH Darmstadt, seit 1974 Professor für Zoologie und Verhaltensforschung in Konstanz. Vizepräsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), dann deren Vorsitzender von 1985 bis 1991. Seit 1993 Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie. Zahlreiche Veröffentlichungen und Beiträge für überregionale Zeitungen (u.a. Kolumne in der „Zeit“).
Was sind unsere Anforderungen an einen Rektor?
Inwieweit entspricht Markl diesen? Ein Rektor muß die Fähigkeit haben, die Universität angemessen nach außen zu vertreten und in der Lage sein, für „seine“ Universität in Verhandlungen mit Geldgebern (Land, Bund, Drittmittelgebern) das Optimale zu erreichen. Als ehemaliger Präsident der DFG ist Markl dafür natürlich hervorragend qualifiziert, weshalb er in den Augen der Professorinnen ja auch der Kandidat ist.
Mindestens genau so wichtig sind jedoch das Engagement des Rektors für die Interessen der Studierenden, die inneruniversitäre Demokratie, sein Eintreten für interdisziplinäres Studium, seine Einstellung zu Zugangsbeschränkungen an den Hochschulen und aus aktuellem Anlaß zu Studiengebühren.
Markl wird sich nicht für eine angemessene Beteiligung der Studierenden an der Selbstverwaltung der Universität einsetzen. In einem Gespräch mit dem AStA meinte er, in den Gremien der Universität komme es nicht darauf an. wer die meisten Stimmen, sondern wer die besseren Argumente habe. Schön wär’s. Leider sieht die Arbeit in den Gremien meist so aus, daß die studentischen Vertreterinnen auf bereits im Vorfeld abgesprochene Entscheidungen treffen, denen die Professorinnen nur noch zustimmen. Eine breitere Diskussion im Gremium findet nicht statt, die Argumente der Studierenden werden zwar angehört, aber nicht ernsthaft diskutiert.
Markl spricht (wie viele andere auch) oft und gerne über die Vorzüge des interdisziplinären Studiums. Gleichzeitig jedoch tritt er für „lean education“ ein. „Daß allzu viele Studierende allzu lange brauchen, um fertig zu werden, darüber herrscht Einigkeit. (...) Es ist ein Unding, wenn junge Leute so lange studieren, daß ihre schulpflichtigen Kinder als Beruf der Eltern .Student' angeben müssen.“ („Die Zeit“ vom 30.7.93) Er fordert stark strukturierte Studiengänge und stellt den Studiengang Biologie in Konstanz dabei als vorbildlich heraus. Wo bei solch einem schnellen und gestrafften Studium Raum für Interdisziplinarität bleiben soll, bleibt sein Geheimnis.
Er fordert, daß es „für deutlich weniger Frauen und Männer als bisher Universitätsstudienplätze geben sollte, auf denen wissenschaftlich anspruchsvolle Qualifikationen erworben werden sollen. Die kann allerdings nur erlangen, wer Eignung und Leistungswillen dafür mitbringt.“ Gleichzeitig beklagt er, „daß die Universitäten seit Jahrzehnten absichtsvoll daran gehindert werden, sich ihre Studierenden selber auszusuchen“ (zitiert wie oben). Die Bestrebungen Markls, den Universitäten das Recht zur eigenen Auswahl der Studierenden zu geben, fuhrt unweigerlich zu Eliteuniversitäten und sind deshalb aufs schärfste abzulehnen. Auch die Differenzierung in wissenschaftlich-theoretisches (an den Unis) und berufsqualifizierendes Studium (an den Fachhochschulen), bei gleichzeitiger Verknappung der Universitätsplätze, zielt in diese Richtung: Unistudium nur noch für die leistungsbereite Elite.
In mehreren Veröffentlichungen hat Markl sich für die Einrichtung von Studiengebühren ausgesprochen. Vorbild sind ihm die angelsächsischen Universitäten. Er begründet seine Ansicht unter anderem damit, daß Studierende, die für die Dienstleistung „Lehre“ bezahlen, auch höhere Ansprüche an die Lehrenden stellen können. Außerdem habe der finanzielle Druck positive Auswirkungen auf die Leistungsbereitschaft der Studierenden: „Wer die Knappheit wertvoller Güter an der eigenen Tasche spürt, geht verantwortlicher mit ihnen um. “ („Die Zeit“, 12.02.93) Alternativ befürwortet er Bildungsgutscheine für ein Regelstudium mit kräftiger Aufzählung für alles, was darüber hinausgeht. Er liegt damit voll auf der Linie von Minister Trotha, dessen Konzept von Bildungsgutscheinen letztes Jahr nach heftigem Protest der baden-württembergischen Studierenden (vorläufig!) scheiterte. Im Augenblick wird bundesweit verstärkt über die Einführung von Studiengebühren diskutiert. (Sogar die SPD weicht in diesem Punkt auf, siehe die Äußerungen von Peter Glotz sowie „Die Zeit“ vom 3.2.95.) Deshalb brauchen wir dringend einen Rektor, der sich dezidiert und mit aller Entschiedenheit gegen Studiengebühren jeglicher Art ausspricht und die Resolution des Großen Senates, die Studiengebühren und Bildungsgutscheine als untaugliches Mittel betrachtet, offensiv vertritt.
Hubert Markl entspricht nicht unseren Anforderungen an einen Rektor. Wir werden der Vollversammlung deshalb vorschlagen, sich gegen Mark! als neuen Rektor auszusprechen und uns das Mandat zu geben, bei der Sitzung des Großen Senats gegen ihn zu stimmen.