Heft 5 vom 02.03.1995 7/05 scan 2026-08-01

Immer mehr amt Sozialhilfe angewiesen

Armut


Armut

Immer mehr amt Sozialhilfe angewiesen

Es geht aufwärts, auch in Konstanz: mit der Zahl der Menschen, die auf Sozialhilfe angewiesen sind, um ihr Dasein zu fristen. Wie einem Bericht des „Südkurier“ zu entnehmen ist, ist laut Angaben des Konstanzer Sozialamts die Zahl der Haushalte, die Sozialhilfe beziehen, von 2452 im Jahr 1985 auf 3294 im Jahr 1995 in die Höhe geschnellt, das entspricht einer Zunahme von rund 35% innerhalb von 10 Jahren. Ungefähr 10% aller Konstanzer Haushalte müssen danach Sozialhilfe in Anspruch nehmen. Das sind jedoch nur die offiziellen Zahlen. Nach Aussage von Experten wie z.B. dem örtlichen Caritas-Sozialberater muß mit einer hohen Dunkelziffer von Menschen gerechnet werden, die aufgrund ihrer Armut zwar Anspruch auf Sozialhilfe haben, sich jedoch schämen, diese zu beantragen. Das ist auch kein Wunder, angesichts der Hetze, die den Armen aus Politik und Medien vielfach entgegenschlägt, und der bürokratischen Arroganz, mit der die zuständigen staatlichen Stellen diese Menschen behandeln. Dazu kommt noch, daß die ausgezahlten Beträge viel zu niedrig liegen. So bekommt ein „Haushaltsvorstand“, wenn er als Sozialhilfeempfänger anerkannt ist, gerade mal 521 DM monatlich. Dazu übernimmt das Sozialamt noch Mietkosten (häufig jedoch nicht die gesamten), außerdem gibt’s noch (Sach-)Beihilfen für Kleider etc.

Die soziale Zusammensetzung der Sozialhilfebezieher spiegelt wider, daß die kapitalistische Gesellschaft zunehmend Menschen als Muster ohne Wert ausgrenzt: Das Gros speist sich laut Aussage einer Sozialamtssprecherin aus der Altersgruppe zwischen 20 und 40 Jahren: Leute vor allem, die ihre Arbeitskraft über längere Zeit nicht mehr verkaufen konnten. Dazu kommen alleinerziehende Mütter und kinderreiche Familien. Und: der Mehrzahl der Menschen über 65 Jahren geht es finanziell so schlecht, daß sie auf „ergänzende Sozialhilfe“ angewiesen sind. Eine Besserung der Lage ist nicht in Sicht, im Gegenteil. Beim Konstanzer Sozialamt geht man ebenso wie bei den karitativen Einrichtungen davon aus, daß die Zahl der Sozialhilfeempfänger und -empfängerinnen weiter ansteigen wird, (jüg)

Quellenhinweis: „Südkurier“, 21.2.95

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