Heft 5 vom 02.03.1995 7/05 scan 2026-08-01

Der Metallerstreik in Bayern



Der Metallerstreik in Bayern

Mit der Einleitung des Streiks in mittlerweile (27.2.95) 22 Betrieben der bayerischen Metallindustrie hal die IG Metall die Metallarbeitgeber unter Handlungszwang gesetzt.

Die Streiktaktik der IG Metall ist von Vorsicht geprägt:

  • Im ersten Streik nach der Änderung des § 116 AFG werden — zumindest in der ersten Streikphase — nur solche Betriebe bestreikt, von denen bei Lahmlegung der Produktion keine Fernwirkung auf andere Betriebe erwartet wird. - In die Urabstimmung wurden von der IG Metall nicht flächendeckend alle Betriebe einbezogen, und in den bestreikten Betrieben wurden bis heute die Angestellten von der IG Metall nicht zum Streik aufgerufen. Offensichtlich sieht die IG Metall Vorsicht angesagt nach den Erfahrungen des letzten Metallstreiks 1954 in Bayern, der mit Spaltung von Belegschaften, Betriebsräten und Gewerkschaft endete und dessen materielles Ergebnis nach hartem Streik nicht befriedigen konnte. Eine Erfahrung, die tief sitzt im Gedächtnis der bayerischen IG Metall.

Bisher steht der Streik der Arbeiter gut. Erste Reaktionen haben Spaltungslinien im Arbeitgeberlager sichtbar gemacht: der Gesamtmetallspitze wird zu sture Verhandlungsführung, die unnützerweise zum Streik provoziert habe, vorgeworfen. Auf die Vertiefung dieser Spaltungslinien zielt die Streiktaktik der IG Metall, die dort angreift, wo die schärfsten Verfechter eines harten Kurses im Arbeitgeberlager sitzen.

Die weitere Entwicklung wird zuerst davon abhängen, wie sich die Kräfte bei Gesamtmetall gruppieren. Auf der Lohnseite scheint Gesamtmetall auf eine moderate Lohnerhöhung abzuzielen, je weiter unter der Vier-ProzentMarke um so besser. Gesamtmetall will aber wohl eine möglichst weite Verlängerung der Laufzeit der Lohntarife über 12 Monate hinaus abschließen, selbst wenn dafür die nominale Lohnmarke angehoben werden müßte. Konjunkturexperten munkeln bereits von Anzeichen für den Anstieg der Inflation, die durch eine sich verstärkende Konjunktur noch angeheizt würde. Für die Arbeitnehmer brächte ein lange Laufzeit dann das Risiko, bei starker Inflation trotz guter Kampfbedingungen mit gebundenen Händen dazusitzen.

Spekuliert die Gesamtmetallspitze nach den Entwicklungen der letzten Jahre auf eine organisatorische Schwächung und politische Isolierung der IG Metall und will sie in langem Kampf die Streikfähigkeit der bayerischen IG Metall auf die Probe stellen? Die IG Metall hat in Bayern ca. 40 % der Beschäftigten organisiert, 60% bei den Arbeitern und nur 16 % bei den Angestellten.

— (cts. aus: Landespolitik Bayern)

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