Heft 9 vom 27.04.1995 7/09 scan 2026-08-01

Gegen ständig steigende „zweite Miete“

Mieterbund Bodensee-Oberschwaben


Mieterbund Bodensee-Oberschwaben

Gegen ständig steigende „zweite Miete“

Konstanz. Der Kreisverband des Mieterbunds Bodensee-Oberschwaben, der über 10000 Mieterhaushalte vertritt, hat auf seiner Jahresversammlung Mitte April in Konstanz gegen die ständig steigende sogenannte zweite Miete protestiert. Gemeint sind damit die von Städten und Gemeinden erhobenen Gebühren für Strom, Gas, Wasser, Abwasser und Abfallbeseitigung.

Herbert Weber, der Vorsitzende des Bodensee-Mietervereins wies darauf hin, daß die Gebühren für Strom und Gas seit 1990 im bundesrepublikanischen Durchschnitt um 10%, für Wasser um 32 %, für Abwasser um 58 % und für die Müllabfuhr gar um satte 95 % gestiegen seien. Die Region BodenseeOberschwaben bilde hier keine Ausnahme. Nicht ohne Grund, so Weber, suchten mittlerweile 25 Prozent aller Mieterinnen und Mieter wegen dieser Nebenkosten die Beratungsstellen der Mietervereine in der Region auf. Dazu komme noch, daß viele Kommunen die Grundsteuer drastisch erhöht hätten, die von den Hausbesitzern uneingeschränkt an die Mieter weitergegeben werden können. Weber forderte dazu auf, in diesem Zusammenhang „den Bürgermeistern auf die Finger zu schauen“. Die Mietervertreter erlebten mittlerweile „täglich, welche Schwierigkeiten Mieter haben, die ständig steigende 'zweite Miete' zu tragen“, sagte Hans Müller vom Mieterverein Ravensburg. Ein Ende dieser Entwicklung sei nicht in Sicht, ist der Vorsitzende des Singener Mietervereins, Karl Hassler, überzeugt. Zu gewaltig sei der Investitionsbereich zum Beispiel im Bereich der Abfallbeseitigung.

Die Mietervereins-Vertreter forderten angesichts dieser Entwicklung soziale Ausgleichsmaßnahmen insbesondere für Familien mit Kindern sowie „Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit gerade bei Versorgungsleistungen der Gemeinden“. Die Delegierten beschlossen einstimmig, eine ausführliche Erhebung über die Entwicklung der Kostensteigerungen in der Bodenseeregion durchzuführen.

Quellenhinweis: Südkurier 13.04.95— (jüg)

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